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Karriere

Verkäufer oder Kaufmann im Einzelhandel: zwei Jahre gegen drei

Die beiden Abschlüsse sind nicht zwei Wege zum selben Ziel, sondern ein kürzerer und ein längerer mit unterschiedlichem Inhalt. Was den zweijährigen vom dreijährigen trennt, wie sich das dritte Jahr anhängen lässt und wann welcher Weg der richtige ist.

5 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Im Einzelhandel gibt es zwei anerkannte Ausbildungsberufe, die auf derselben Verkaufsfläche beginnen: Verkäuferin oder Verkäufer in zwei Jahren, Kauffrau oder Kaufmann im Einzelhandel in drei. Beide sind staatlich anerkannt, beide enden mit einer Kammerprüfung, und beide qualifizieren für dieselben Stellen im Verkauf. Der Unterschied liegt nicht im Ansehen, sondern im Inhalt des dritten Jahres.

Der gemeinsame Teil

Die ersten beiden Jahre sind weitgehend deckungsgleich. Beide Berufe lernen Beratung und Verkaufsgespräch, Kassieren und Abrechnen, Warenannahme und Lagerung, Warenpräsentation, Bestandsführung, Sicherheit und Gesundheitsschutz. Wer nach zwei Jahren die Verkäuferprüfung besteht, kann das Handwerk der Verkaufsfläche.

Das ist der Grund, warum die zweijährige Ausbildung im Handel keine Notlösung ist. Sie führt in ein Berufsbild, das auf diesem Portal mit rund drei Vierteln des Bestands die größte Gruppe stellt: Anzeigen für Verkäuferinnen und Verkäufer sind die Regel und nicht die Ausnahme, die des Ausbildungsberufs deutlich seltener.

Was das dritte Jahr hinzufügt

Im dritten Jahr verschiebt sich der Schwerpunkt von der Fläche auf den Betrieb. Dazu gehören Kalkulation und Preisbildung, die Auswertung von Kennzahlen aus der Warenwirtschaft, Werbe- und Verkaufsförderungsmaßnahmen, Personaleinsatz und die Abläufe, an denen eine Filiale wirtschaftlich gemessen wird.

Der zweite Unterschied ist die Prüfung. Bei den Kaufleuten ist sie geteilt: ein Teil vor dem Ende der Ausbildung, der zweite zum Abschluss, beide gehen in die Endnote ein. Bei den Verkäufern steht eine Abschlussprüfung am Ende der zwei Jahre. Wie das im Einzelnen aufgebaut ist, steht in Ablauf, Inhalte und Prüfung der Ausbildung.

Verkäufer/-in Kaufmann/-frau im Einzelhandel
Dauer zwei Jahre drei Jahre
Schwerpunkt Verkaufsfläche, Ware, Kasse zusätzlich Kalkulation, Kennzahlen, Personaleinsatz
Prüfung eine Abschlussprüfung am Ende in zwei Teilen, beide zählen
Anschluss drittes Jahr anhängbar Aufstiegsfortbildung, Leitungslaufbahn

Das dritte Jahr lässt sich anhängen

Das ist der entscheidende Punkt, und er wird selten deutlich gesagt: Wer die Verkäuferausbildung abgeschlossen hat, kann die Ausbildung im dritten Jahr zum Kaufmann im Einzelhandel fortsetzen. Die abgeschlossene zweijährige Ausbildung wird auf die dreijährige angerechnet, die Ausbildungsordnung ist darauf angelegt.

Dafür braucht es allerdings einen Betrieb, der das dritte Jahr vertraglich vereinbart. Kein Anspruch, sondern eine Verhandlung – und eine, die während der zweijährigen Ausbildung geführt wird und nicht danach. Wer am Ende des ersten Jahres fragt, bekommt eine Antwort; wer nach der Prüfung fragt, bekommt eine Stelle als Verkäufer.

Was die Verkürzung damit zu tun hat

Ein dritter Punkt kommt hinzu, der beide Wege betrifft: Beide lassen sich verkürzen. § 8 Berufsbildungsgesetz erlaubt es, die Ausbildungszeit auf gemeinsamen Antrag von Auszubildenden und Betrieb zu verkürzen, wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in der kürzeren Zeit erreicht wird; die Entscheidung trifft die zuständige Kammer. Ein höherer Schulabschluss, eine vorangegangene Berufsausbildung oder eine einschlägige Vorbeschäftigung sind die üblichen Gründe.

Daraus folgt eine Rechnung, die zu selten gemacht wird: Eine verkürzte dreijährige Ausbildung kann kürzer sein als eine zweijährige plus angehängtes drittes Jahr – und sie endet mit demselben Abschluss. Wer mit Abitur oder mit einer abgeschlossenen Ausbildung in den Handel kommt, fragt deshalb zuerst nach der Verkürzung und dann nach dem Beruf.

Wann welcher Weg der richtige ist

Zwei Jahre sprechen für sich, wenn schnell ein Abschluss und ein eigenes Einkommen gebraucht werden, wenn die Schulzeit als Belastung erlebt wurde oder wenn die Arbeit auf der Fläche das Ziel ist und nicht der Schreibtisch dahinter. Der Abschluss öffnet dieselben Verkaufsstellen, und das dritte Jahr bleibt später möglich.

Drei Jahre sprechen für sich, wenn eine Leitungsfunktion in Sicht ist. Für den Weg über Substitut, stellvertretende Leitung und Filialleitung ist der dreijährige Abschluss in vielen Häusern die Eintrittskarte, und für die Aufstiegsfortbildung zum Handelsfachwirt ist er der übliche Zugang. Wie diese Wege verlaufen, steht in Nach der Ausbildung weiterkommen.

Was der Abschluss beim Geld bedeutet

Hier ist Vorsicht angebracht. In tarifgebundenen Häusern richtet sich die Eingruppierung nach der ausgeübten Tätigkeit und der Vorbildung, und ein dreijähriger Abschluss kann eine andere Gruppe öffnen als ein zweijähriger. Was die Gruppen zahlen, steht in den regionalen Tarifverträgen des Einzelhandels, unterscheidet sich je Bundesland und ist nicht frei abrufbar; eine Zahl steht deshalb hier nicht. In Häusern ohne Tarifbindung entscheidet der Arbeitsvertrag, und dort kann der Abschluss auch gar keine Rolle spielen.

Was tatsächlich zählt, ist die ausgeübte Tätigkeit. Wer mit zweijährigem Abschluss eine Warengruppe verantwortet, bestellt und abrechnet, arbeitet auf einem anderen Niveau als der Titel auf dem Zeugnis vermuten lässt, und genau das ist der Ansatzpunkt für ein Gespräch. Woraus sich die Bezahlung im Handel zusammensetzt, steht in Bezahlung im Einzelhandel.

Wer keinen von beiden hat

Der Verkauf ist eines der wenigen Felder, in denen ohne Abschluss angefangen werden kann und in dem eine Laufbahn trotzdem möglich bleibt. Der Abschluss lässt sich auch nachträglich über die Zulassung zur Prüfung ohne Ausbildungsverhältnis erwerben. Wie das geht und was es voraussetzt, steht in Quereinstieg in den Verkauf.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen dieses Berufs, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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