Sieben Berufe, eine Treppe
„Verkäufer" ist kein Sammelbegriff, sondern ein Ausbildungsberuf mit zwei Jahren und eigenem Abschluss. „Kaufmann im Einzelhandel" ist ein anderer, mit drei Jahren. Der Fachverkauf an der Bedientheke hat seinen eigenen, mit Schwerpunkt. Und über allen dreien liegt eine Stufe, die außerhalb der Branche niemand kennt: der Substitut.
Diese Unterschiede entscheiden im Handel über die Eingruppierung, über den Zugang zu Führungsstellen und darüber, ob eine Bewerbung überhaupt in Frage kommt. Jede Berufsseite beantwortet drei Fragen in dieser Reihenfolge: was der Beruf tut, welcher Abschluss davor steht – und welche Stellen gerade offen sind.
Ohne Abschluss erreichbar
Zwei Gruppen, in die der Handel ohne Berufsabschluss einstellt und in der Filiale anlernt. Sie tragen zusammen den größten Teil des Bestands – und sie sind der Grund, warum der Einzelhandel für Quereinsteiger die offenste Branche des Stellenmarkts ist.
Mit einem Abschluss dahinter
Drei Gruppen mit einer eigenen Ausbildungsordnung: der dreijährige Kaufmann im Einzelhandel, der Fachverkauf im Lebensmittelhandwerk mit seinem Schwerpunkt, der Automobilverkauf mit der Zertifizierung des Herstellers. Hier entscheidet der Abschluss über die Eingruppierung.
- 220 Fachverkauf Lebensmittel Hinter der Theke: eigener Ausbildungsberuf, eigene Vorschriften. Bedientheke · Bäckerei · Fleischerei 5,9 % des Bestands
- 106 Kaufmann/-frau im Einzelhandel Der Vollabschluss des Handels – und die Tür zu allem darüber. Der dreijährige Ausbildungsberuf 2,9 % des Bestands
- 52 Automobilverkauf Einzelhandel mit einem Warenkorb, der ein Jahresgehalt kostet. Automobilverkäufer im Autohaus 1,4 % des Bestands
Mit Personalverantwortung
Zwei Gruppen, die man nicht durch Bewerbung allein erreicht, sondern über eine Laufbahn in der Filiale. Der Substitut ist die Stufe, an der sich das entscheidet; die Leitung führt danach einen Betrieb mit eigener Rechnung.
- 291 Filial- und Marktleitung Ein Haus mit Umsatz, Personal und Zahlen – und die Verantwortung dafür. Marktleiter · Filialleiter · Store Manager 7,8 % des Bestands
- 240 Substitut und Stellvertretung Die Stufe, die außerhalb der Branche niemand kennt. Die Nachwuchsführungsstufe des Handels 6,5 % des Bestands
Warum die sieben Zahlen mehr ergeben als der Bestand
Im Bestand stehen gerade 3.712 offene Stellen. Die sieben Zahlen oben ergeben zusammen 3.887, und das ist kein Rechenfehler: 175 Anzeigen nennen zwei Berufe im Titel. „Verkäufer / Kaufmann im Einzelhandel (m/w/d)" ist beides, und wir zeigen die Anzeige unter beidem – wer den Zweijahresabschluss hat, findet sie, und wer den dreijährigen hat, auch. Die Alternative wäre gewesen, sie einem Beruf zuzuschlagen; dann fehlte sie im anderen, ohne dass irgendetwas darauf hinweist.
Passend dazu im Ratgeber
- Das Arbeitszeugnis im Handel: Anspruch, Formeln, Korrektur Wer den Betrieb wechselt, braucht ein Zeugnis, das die Arbeit auf der Fläche erkennbar mac...
- Krankmeldung im Handel: Fristen, elektronische Bescheinigung und der Dienstplan Wer im Schichtdienst krank wird, muss anders melden als jemand mit festen Bürozeiten. Welc...
- Zuschläge im Einzelhandel: was das Gesetz vorschreibt und was der Tarif regelt Für Spät-, Samstags- und Sonntagsarbeit gibt es im Handel Zuschläge – aber nur wenige davo...