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Karriere

Quereinstieg in den Verkauf: ohne Ausbildung anfangen und den Abschluss nachholen

Der Einzelhandel stellt Menschen ohne kaufmännische Ausbildung ein – über Kasse, Warenverräumung und die Aushilfe im Weihnachtsgeschäft. Welche Türen offen sind, welche verschlossen bleiben und wie sich der Abschluss später ohne Ausbildungsvertrag erwerben lässt.

4 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Der Einzelhandel ist einer der wenigen großen Arbeitsmärkte, in dem eine Stelle ohne einschlägige Ausbildung keine Ausnahme ist. Das hat einen unromantischen Grund: Die Arbeit auf der Fläche wird zu einem großen Teil angelernt, und ein Betrieb, der eine Kasse besetzen muss, fragt zuerst nach Verfügbarkeit und dann nach Zeugnissen.

Daraus folgt nicht, dass jede Tür offensteht. Es folgt, dass der Einstieg an anderen Stellen liegt als die Stellen, die später interessant werden.

Die drei üblichen Türen

Kasse. Kassieren wird im Betrieb gelernt, meist in wenigen Tagen an der Seite einer erfahrenen Kraft. Was danach bleibt, ist Verantwortung für Bargeld und für den Ablauf an der einzigen Stelle des Ladens, an der jeder Kunde vorbeikommt. Was bei einer Differenz gilt, steht in Kassendifferenz: wer haftet.

Warenverräumung. Kasse und Warenverräumung sind Frühschichten, oft vor Ladenöffnung, körperlich und planbar. Für viele der einfachste Einstieg, weil er ohne Kundenkontakt funktioniert und weil die Zeiten mit anderen Verpflichtungen zusammengehen. Was der Körper davon hat und welche Regeln dafür gelten, steht in Arbeitsschutz an der Kasse und beim Heben.

Aushilfe in der Saison. Die Wochen vor Weihnachten, die Inventur, die Umbauphase. Befristete Verträge, die in der Praxis der häufigste Weg in eine dauerhafte Stelle sind – nicht, weil sie eine Zusage enthalten, sondern weil sie eine Probe unter echten Bedingungen sind. Was in dieser Zeit im Betrieb passiert, steht in Weihnachtsgeschäft und Inventur.

Der Automobilverkauf ist ein Sonderfall

Im Automobilverkauf gibt es den klassischen Quereinstieg noch, und zwar aus einem Grund, der nichts mit dem Handel zu tun hat: Verkauft wird dort auf Provision, und ein Haus, das einen Verkäufer einstellt, trägt bei einer variablen Vergütung ein anderes Risiko als bei einem Festgehalt. Gesucht werden entsprechend Menschen mit Verkaufserfahrung aus anderen Feldern.

Ohne Voraussetzung ist das nicht. Führerschein und die Bereitschaft zu Samstagsdiensten sind selbstverständlich; die Hersteller verlangen von den Verkäufern ihrer Vertragshändler regelmäßig eigene Zertifizierungen und Produktschulungen, die während der Beschäftigung absolviert werden. Wer dort anfängt, sollte vor der Unterschrift klären, wie sich die Vergütung zusammensetzt und was passiert, wenn ein Monat schlecht läuft – dazu steht mehr in Bezahlung im Einzelhandel.

Was ohne Abschluss verschlossen bleibt

Die Bedientheke im Lebensmittelhandel ist kein Quereinstieg im üblichen Sinn. Gearbeitet wird dort mit unverpackten Lebensmitteln, und das Infektionsschutzgesetz verlangt vor Aufnahme der Tätigkeit eine Belehrung durch das Gesundheitsamt; die fachlichen Anforderungen an Fleisch-, Wurst- und Käsebedienung lernt niemand in einer Woche. Angelernt wird dort trotzdem, nur langsamer. Mehr dazu in Arbeit an der Bedientheke.

Die zweite verschlossene Tür ist die Leitung. Häuser, die eine Filiale oder einen Markt zu besetzen haben, verlangen fast durchgängig einen kaufmännischen Abschluss oder eine Aufstiegsfortbildung – auch von Menschen, die seit Jahren gut verkaufen. Das ist der Punkt, an dem ein fehlender Abschluss aufhört, eine Formalität zu sein.

Den Abschluss ohne Ausbildungsvertrag erwerben

Dafür gibt es einen gesetzlichen Weg, der zu wenig bekannt ist. Nach § 45 Absatz 2 Berufsbildungsgesetz ist zur Abschlussprüfung auch zuzulassen, wer nachweist, mindestens das Eineinhalbfache der vorgeschriebenen Ausbildungszeit in dem Beruf tätig gewesen zu sein. Für die zweijährige Verkäuferausbildung sind das drei Jahre einschlägige Tätigkeit, für die dreijährige Kaufmannsausbildung viereinhalb.

Die Zulassung erteilt die zuständige Kammer, geprüft wird nach derselben Prüfungsordnung wie bei Auszubildenden, und das Zeugnis unterscheidet sich nicht. Die Vorbereitung liegt allerdings bei der Bewerberin selbst; Kammern und Bildungsträger bieten dafür Vorbereitungskurse an, oft abends oder am Wochenende. Wer diesen Weg gehen will, holt sich als erstes bei der Kammer die Auskunft, welche Zeiten anerkannt werden – Teilzeit und Minijob zählen mit, aber nicht immer im vollen Umfang.

Was im Lebenslauf zählt, wenn die Ausbildung fehlt

Nicht die Begründung, warum sie fehlt, sondern was stattdessen da ist: gearbeitete Monate mit Zeitraum, der Betriebstyp, die Warengruppen, die Schichten, die Kasse, die Inventuren. Ein Lebenslauf, der von Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit erzählt, ist im Handel überzeugender als einer, der eine Lücke erklärt. Wie das konkret aussieht, steht in Bewerbung im Verkauf ohne Berufserfahrung.

Und noch eines: Der Quereinstieg endet nicht mit dem ersten Vertrag. Wer nach zwei Jahren auf der Fläche keinen Abschluss und keine erweiterte Aufgabe hat, ist an derselben Stelle wie am Anfang. Die Frage nach dem nächsten Schritt gehört in das erste Jahr, nicht in das fünfte – die offenen Stellen sind der leichtere Teil davon.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen dieses Berufs, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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